Was ist „Softe Sanierung“ ?

imgp0116Softe Sanierung“ artikuliert einen dialektischen Anspruch. Einerseits sind notwendige Maßnahmen einzuleiten, um ein Unternehmen vor dem Konkurs zu retten oder aus einer bedrohlichen Situation herauszuführen; andererseits darf das Ganze nicht in einem Phyrrus-Sieg enden.

Deshalb ist insbesondere die Zeit nach der erfolgten Sanierung gleichermaßen ins Visier zu nehmen. Und hier dürfte mancher Erstentwurf einer Maßnahme noch einmal überdacht werden.

„Softe Sanierung“ verlangt systemisches Denken und beinhaltet, soweit wie möglich alle relevanten Rückkopplungsmechanismen /-schleifen zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere zwischen den handelnden Managern und dem Unternehmen und über einen genügend langen Zeitraum bis zum Zielerfolg.

Natürlich kann es im Rahmen von „Softer Sanierung“ auch zu kurzfristig schmerzlichen Maßnahmen kommen; die dann aber als letzte Mittel und nachprüfbar begründet sind.

Diese flankierenden Maßnahmen gehören insbesondere dann dazu um eine umfassende und sensible Kommunikation, um die Glaubwürdigkeit des Management auch beim Einschlagen harter Maßnahmen zu erhalten.

All das wiederum stärkt das Vertrauen der Mitarbeiter in ihre Führung; dem vermutlich wichtigsten Kapital, das in jedem Unternehmen steckt und nicht durch unbedachtes Handeln oder panikhafte Aktionen gefährdet werden darf und soll.

„Softe Sanierung“ heißt ebenso, dass mehr auf Ressourcen,
auf die Stärken und auf die möglichen Stärken gesetzt wird, denn sie geht von einem optimistischen „mind-set“ aus; der Annahme, das (fast) jedes Unternehmen gerettet werden kann, wenn das Potential der Mitarbeiter rechtzeitig aktiviert wird.

„Softe Sanierung“ betont die unternehmerische Haltung sowohl bei der Führung als auch den Mitarbeitern. Sie appelliert an die Bereitschaft jedes Einzelnen, seine vorhandene unternehmerische Qualifikationen, die oftmals nur außerhalb des Unternehmens eingesetzt wird, in den Dienst des Unternehmens zu stellen. Dafür bietet sie neue Spielräume, neue Formen offener Kommunikation und die Erfahrung des wechselseitigen Respekts.

„Softe Sanierung“ setzt also vor all dem darauf, dass das wertvollste Kapital in einem Unternehmen, nämlich das Vertrauen in die Umsicht, die Kompetenz und das soziale Verantwortungsbewusstsein der Manager erhalten bleibt.

Das krasse Gegenteil, die „Harte Sanierung“ sieht dagegen das Unternehmen eher wie eine gefühlskalte Maschinerie. Solche eine Sanierung ist dann einer Reparatur, dem Erweitern und dem erhaltenden Einsetzen von Ersatzteilen vergleichbar. Auswirkungen auf andere Teile der Maschinerie werden dabei oft ignoriert oder übersehen.

Leider Alltag

Dieses einfache und monokausale Denken überwiegt in einer Vielzahl der Unternehmerkulturen. Es ignoriert Rückkopplungsschleifen und –mechanismen zwischen den Teilen einer Organisation und ihrer Umwelt und hält Mitarbeiter, sowie das relevante Umfeld für sehr vergesslich. Wer dies Glaubt, täuscht sich.

„Harte Sanierung“ richtet häufig mehr Schaden an, als dass Verbesserungen erzielt werden. Insbesondere wird durch Schuldzuweisungen die Motivation der Mitarbeiter stärker in Mitleidenschaft gezogen als dass daraus messbarer Mehrleistung resultiert. Statt dysfunktionale Muster im Betriebsgeschehen aufzuspüren und nach Interventionen mit nur wenig Aufwand und großem Nutzen zu suchen, erfolgt oft eine sträflicher Vereinfachung des Betriebsgeschehens. Im Ergebnis werden nur vordergründige Zusammenhänge berücksichtigt und das führt dann zu groben, undifferenzierten Maßnahmen mit vielen unerwünschten Nebenwirkungen mit Langzeitfolgen.

Harte Sanierung begreift nicht, dass das „Wie“ einer Handlung mindestens ebenso wichtig ist wie das „Was“ einer Handlung.

Maßnahmen „harter Sanierung“ können ohne Zweifel eine hohe intellektuelle Qualität haben. Ihre Wirksamkeit leidet aber häufig unter einer ungenügenden Sensibilität für die soziale Dimension und dem fehlenden Überblick.