„The real breakthrough is when you discover the simplicity that exists when you go beyond complexity.“ Sind wir am Anfang oder am Ende der Einfachheit? Distanz, Schnelligkeit, Werte-Pleiten. Ehrlich gesagt: Wir sind gerade leicht überfordert.
Noch leben wir unser gewohntes Leben: Wir suchen uns einen kühlen Schlafplatz in Zeiten der Rekordhitze und erfrischen uns im Wasser. Wir begleiten unsere Angehörigen bei Krankheit und Tod. Wir freuen uns darüber, wie aus unseren Kindern Erwachsene werden. Wir sind überglücklich über unsere Enkel und junge Menschen. Es ist unfassbar, wie viel Glück und Lebensfreude kleine Kinder in jedem Moment versprühen können. Wir feiern Geburtstage. Lernen in Gruppen. Genießen die Nähe mit Freunden. Reisen nah und fern – mit dem Fahrrad von Leipzig nach China. Ja, so manch einer kommt in die Jahre und stellt fest, dass sie/er immer noch jung ist. Anders eben, aber schön.
Doch es tut sich etwas: Seit 2022/2023 ist die Dynamik der KI zum unaufhaltsamen, globalen Massenphänomen geworden. Die Wahrnehmung und das Agieren in unserer Welt verändern sich nach dem Muster von „Atomic Habits“: Mikroschritte, quasi automatisiert. Wenn man sich jeden Tag um etwa 1 % verändert, entstehen durch die kumulative Wirkung langfristig bemerkenswerte Resultate. KI‑Modelle folgen Algorithmen und den Werten derer, die sie geschaffen haben. Algorithmen, die sich von den Werten unserer Gesellschaft entfernen, sind hoch gefährlich. Es geht konkret um Aufmerksamkeitsökonomie als Geschäftsmodell: Der Tanz um Aufmerksamkeit und Wirksamkeit wird immer schneller. KI wirkt als Turbo-Beschleuniger. Neurodiverse Menschen werden plötzlich „unstoppable“ – und vielen von uns bleibt das Gefühl eines Schleudertraumas. Wo ist da noch der Mensch drin? KI wird zur Macht, Einflussnahme verschiebt sich. Stellen Sie sich diesen Albtraum vor: Auf einer Party ist die KI für Sie der attraktivere Gesprächspartner als die Menschen um Sie herum.
KI verlangt Haltung. Wir können sie nicht mehr verdrängen oder ausblenden. Ja, wir müssen uns ausprobieren in dieser neuen Welt. Wir brauchen eine wachsame und prüfende Distanz: Welche Rolle spielen wir noch? Wo bin ich? Wie sehen meine Beziehungen aus? Was bedeutet das für unsere Mitarbeitenden und Belegschaften, für unsere Unternehmen, für unsere Familien und Communities? Können wir uns unsere Werte von heute später noch leisten – und was heißt es, wenn unsere Werte „pleite gehen“?
In welchen Momenten erlebe ich, wie KI meine Wahrnehmung, meine Entscheidungen, meine Beziehungen und mein berufliches Handeln verändert – als Mensch, Bürger, Unternehmer, CEO oder Berater? Und wie gehe ich damit um?